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Späte Liebe
Erfolgsautorin Maria Nurowska mit "Der russische Geliebte"

"Ich liebe mich selbst nicht". So lautet die knappe Aussage der polnischen Professorin Julia Grudzinska über sich selbst. Und es stimmt. Die polnische Autorin Maria Nurowska läßt ihr Romanheldin immer wieder an sich und ihrer Rolle als Mutter zweifeln. Fast geschlechtslos klammert sie Liebe und Zärtlichkeit aus ihrem Leben aus. Die einzig geölte Schiene der fast Fünfzigjährigen, auf der sie sich bewegt, ist die Wissenschaft. Julia kommt nach Paris und nimmt an der Sorbonne eine Gastprofessur an.

Vom Kopf regiert, analysiert sie sich in kritischen Betrachtungsweisen und läßt andere nur schwer an sich heran. Sie zieht ein Hotel einer Wohnung in der fremden Stadt vor und wird Zeugin unschöner Streitereien eines jungen, russischen Paares nebenan. Nadja, die Freundin Aleksander Razumskis sucht Julias Nähe, die diese unwillig und zögerlich eingeht. Nach einem Eklat reist Nadja nach Rußland ab. Aleksander ergreift Besitz von Julia. Diese aber will nicht wahrhaben, daß sie von diesem jungen Mann, der ihr Sohn sein könnte, geliebt wird.

Doch Liebe hat ihre eigenen Regeln. Und Julia öffnet sich ängstlich einer Gefühlswelt, die sie bis dato nicht kannte.

Über das Problem älterer Frauen mit jüngeren Liebhabern ist bereist viel geschrieben worden. Doch kaum so ergreifend und dennoch schonungslos ehrlich wie die polnische Literatin Nurowska es vermag.

Der Roman ist ein Plädoyer für die Liebe. Ein Meisterstück im Abbau von Vorurteilen und "gelebte" Hoffnung, niemals den Glauben an ein großes persönliches Glück zu verlieren und dafür zu kämpfen.

Corinna S. Heyn

 

Maria Nurowska, Der russische Geliebte, Scherz 1998