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Verirrungen der Seele
Mary McCarthy mit "Und die Vögel verstummten"

Wer Familiendramen mag, wird in Mary McCarthys Roman "Und die Vögel verstummten" auf seine Kosten kommen. Die irische Autorin webt ein kompliziertes Beziehungsgeflecht einer verkorksten Familie, in deren Schicksal die Hauptakteurin Eleanor Ross unfreiwillig hineingezogen wird.

Die Psychoanalytikerin läßt sich in einem winzigen irischen Kaff in einem Landhaus nieder, um dort über den Tod ihres Mannes hinwegzukommen und ein Buch zu schreiben.

Doch aus der Ruhe, die Eleanor Ross zum Schreiben eines psychologischen Buches sucht, wird zunächst nichts. Der Dorftratsch über den Mord an der Zahnarztgattin Carol Boylan vor fünf Jahren holt sie ein. Schon bald betreut sie die an Alzheimer erkrankte Granny Iris Laffan, die Mutter der Besitzerin von "The Lodge".

Als auch noch ihre Jugendliebe Aidan Brady, der mit der jüngeren Tochter von Iris Laffan verheiratete war, auftaucht, wird Eleanor Ross endgültig zum Bestandteil des Familienbesitzes. Mit ihrer Anwesenheit stößt die Psychoanalytikerin auf immer mehr Rätsel um den Mord an der schönen Carol Boylan, bis die tragische Wahrheit ans Tageslicht kommt.

Mary McCarthy entwirft ihre Figuren nicht am Reißbrett, sondern läßt sie als Menschen mit all ihren Eigenheiten, Schwächen und Stärken agieren. Die Autorin richtet nicht über Fehlverhalten, sie nimmt es als Bestandteil der Spezies Mensch hin. Ein packendes Familiendrama!

Corinna S. Heyn

 

Mary McCarthy, Und die Vögel verstummten. btb 1998.