| Am Ende des Abgrund | ||
| Die Geschichte eines Verbrechens Sandro Onofri beschreibt den ganz normalen Wahnsinn einer italienischen Sippschaft. Seine Sprache erfordert höchste Konzentration beim Lesen. Auch seine Beschreibungen der agierenden Personen. Er macht sie an ihren Charaktereigenschaften, ihren Gesten fest und nicht an ihrem äußeren Erscheinungsbild. Der Roman beginnt mit der Vergangenheit Paolos, einem vorbestraften Italiener, der in den USA sein Glück versucht. Abgebrannt trifft er auf Laura, eine italienische Bordellbesitzerin, für die er arbeitet. Die beiden verlieben sich ineinander und kehren nach Rom zurück. Die Geburt des gemeinsamen Sohnes Davide verändert ihre Beziehung. Paolo begehrt Laura nicht mehr und Laura vergräbt sich hinter einer Mauer des Schweigens. Der Autor springt zwischen Handlungssträngen und Zeitabschnitten hin und her. Statt eine Erklärung für das Auseinanderdriften des Paares zu liefern, begibt sich Onofri in die Kindheit Paolos. Dieser wuchs in der Enge einer italienischen Großfamilie auf, für die sowohl Zusammenhalt als auch Häme an der Tagesordnung war und noch immer ist. Unklar bis zum Schluß bleibt das Verhältnis Paolos zu seiner Frau Laura, die ihn betrügt. Szenen brutaler Gewalt machen es schwer, sich mit dem Hauptakteur zu identifizieren. Erst nach einem tragischen Mord flackert ein Schimmer Sympathie für Paolo auf, der sich mit den Gegebenheiten und einer Schuld nicht abfinden will. Der preisgekrönte Autor beleuchtet in diesem Psychothriller die italienische Randgesellschaft mit der Präzision eines Chirurgen. Corinna S. Heyn Sandro Onofri, Eines andern Schuld. Malik bei Piper 1997. |
||