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Leere Versprechungen
"Und weil wir unser Land verbessern" von Gerhard Schröder

Der Titel des neuen Buches von Gerhard Schröder liest sich etwas umständlich. Mit dem Slogan "Und weil wir unser Land verbessern" haben seine Partei und er sich viel vorgenommen. Die vollmundige Versprechung wird allerdings im Inhalt wieder relativiert. Der Autor will nichts versprechen, was er nicht halten kann und hält sich dadurch viele Türen offen.

Die Stilform als Briefe an hochrangige Politikerkollegen oder arbeitslose Akademikerinnen seine Grundsätze wiederzugeben, ist raffiniert ausgesucht. Schröder erhält dadurch mehrere Möglichkeiten der Selbstdarstellung: Er kann seinen "Dialogpartner" angreifen, er kann scheinbare Nähe erzeugen und sich nicht zuletzt durch seine Adressaten schmücken. Die Auswahl der Briefe schein wohlüberlegt zu sein. Neben Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt, Jörg Menno Harms (Vorsitzender der Geschäftsleitung Deutschland bei Hewlett Packard), dem ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Shimon Peres und Günter Grass finden sich auch Schreiben an eine Berufsanfängerin aus Hannover oder einen DVU-Wähler.

Bezeichnend für den Kontext antwortet der Kanzlerkandidat der SPD ausgerechnet Frederick Forsyth, einem englischen Thrillerautor, Fragen zum Euro. Aber entgegen den Erwartungen und Erinnerung an seine bisherige, umstrittene Aussage, der Euro sei eine "kränkelnde Frühgeburt", befürwortet Schröder auf einmal die Währungsumstellung. "Doch die Entscheidung für den Euro ist nun einmal gefallen - und deshalb bin ich dafür, die Chancen dieser Währungsunion zu sehen, statt ausschließlich auf die Risiken zu sehen", heißt es. Und Schröder bedient mit dieser Kehrtwendung die Vorwürfe der Regierungsparteien und seiner Kritiker, die ihm ein opportunes Verhalten vorwerfen.

Engagiert und glaubhafter hingegen liest sich sein Appell an einen jungen DVU-Wähler, dem Schröder mittels seiner eigenen biographischen Auszüge aus seiner Kindheit auf die Sprünge helfen will. Immerhin wählte der 18jährige mit seiner Erststimme in Sachsen-Anhalt bei der Landtagswahl in diesem Jahr die SPD, was Schröder Anlaß zur Hoffnung zu geben scheint. Ob sich der Adressat von den Ausführungen über die Greuel der Nazi-Diktatur oder die scharfe Kritik gegen DVU-Chef Gerhard Frey überzeugen läßt, mag dahingestellt sein. Der Versuch ist Schröder aber positiv auszulegen, sofern nicht ausschließlich politisches Kalkül dahintersteckt.

Für das wichtigste seiner Themen, die hohe Arbeitslosigkeit, hat Schröder wenig Konkretes zu bieten. Außer der Kritik an zu vielen Überstunden in den Betrieben, zu wenig Ausnutzung der befristeten Arbeitsverträge, der mangelnden Qualifizierung von Arbeitslosen von staatlicher Seite und einer fehlenden Steuerreform hat er nichts hervorzubringen. Und daß gerade die SPD die Steuerreform verhindert hat, verschweigt Schröder tunlichst.

Das Buch gibt einen interessanten Einblick in die Gedankengänge des Kanzlerkandidaten. Mehr aber auch nicht.

Corinna S. Heyn

 

Gerhard Schröder, Und weil wir unser Land verbessern. Hoffmann und Campe 1998. 220 Seiten, Preis: 29,80 DM