| Faszination des Schrecklichen | ||
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Über die ‘Geschichte einer ungeheuerlichen Liebe’ aus dem Insel Verlag Eine phantastische Reise durch eine ferne Zeit erlebt der Leser des Romans ‘Geschichte einer ungeheuerlichen Liebe’ von Carl-Johan Vallgren. Der schwedische Autor mit deutschen Bezugspunkten darf gut und gerne als literarische Neuentdeckung des Suhrkamp - Verlages gefeiert werden. Seine Liebesgeschichte rund um den verkrüppelten Hercules Barfuss ist zugleich ein Sittenbild einer korrupten Gesellschaft im 19. Jahrhundert. Einer Gesellschaft, in der die Herrschenden und der Klerus darüber bestimmen, was die Norm ist. Alles andere wird verfolgt, verbannt, verdrängt. Somit gelingt es dem Verfasser, beim Leser eine Vorstellung dessen zu geben, was Behinderung und Ausgrenzung für den Behinderten bedeuten. Stark überzeichnet, läßt Vallgren Hercule in einem Bordell mit haarigem Pelz - einem Tier ähnlich - ohne Ohren und mit verstümmelten Armen als häßliches, Ekel erregendes Monster zur Welt kommen. Der Autor war sich sicher des Abscheus bewußt, den er mit seiner Schilderung des abstoßenden Äußeren von Hercule Barfuss erregen würde. Umso geschickter ist sein Unterfangen, diesem Wesen nicht nur einen unbändigen Lebenswillen einzuhauchen, sondern ihn zudem mit der faszinierenden Gabe der Hellsichtigkeit auszurüsten. Damit nicht genug. Auch die Liebe wird diesem Menschen zuteil. Und das auf jene sehnsuchtsvolle Weise, die in jedem Menschen innewohnt. Das Buch fesselt oder stößt ab. Im positiven Fall öffnet es dem Leser ein Schatzkästlein zu einem kraftvollen, von Gerüchen und farbigen Bildern strotzenden Roman, der lehrreich wie ein Geschichtsbuch, spannend wie ein Abenteuerroman und hintergründig wie ein Krimi ist. Dazu eine poetische Sprache, die scheinbar einer anderen Zeit entliehen ist. Corinna S. Heyn
Carl-Johan Vallgren, Geschichte einer ungeheuerlichen Liebe, Insel Verlag 2004. |
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