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Nostalgische Spurensuche
Zu einem Roman von Horst Wolfram Geißler

Auf dem Buchcover steht: "In einer langen Nacht - Ein Will-Fox-Kriminalroman." So spannend die Gesichte um den cleveren Wissenschaftler und Detektiv Dr. Reineke alias Will Fox auch ist, ein echter Krimi verbirgt sich dahinter nicht. Kein einziger Toter und somit auch kein Mörder finden sich auf den gut 250 Seiten.

Was zuerst auffällt, ist die schwülstige Sprache des Autors Horst Wolfram Geißlers, der mit der Figur Will Fox einen scharfsinnigen Detektiven erschaffen hat: " ...und dan kam es wohl in dem dämmrigen, vom Qualm der Zigaretten und der süßlich-schweren Toscani durchnebelten Raum zu einer Stimmung, die nicht nur äußerlich an Hoffmanns Erzählungen erinnerte:...". Ein kurzer Blick auf die Biographie des Verfassers erklärt den gestelzten, manchmal umständlichen Tonfall. Geißler wurde bereits 1893 in Dresden geboren und studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie, bevor er sich als freier Schriftsteller versuchte. Mit dem historischen Bodenseeroman "Der liebe Augustin" erreichte er seinen größten Erfolg.

Amüsant kommen daher die Annäherungsversuche der Hauptfigur Fox an zwei sehr unterschiedliche Damen daher.

Mit Contenance und großer Vorsicht knüpft er zarte Bande und weiß sich nicht recht zwischen beiden zu entscheiden. Gefangen in einer Zeit der bürgerlichen Gesellschaft, in der mit seiner ledigen Auftraggeberin Maria Zanetti nicht gemeinsam in deren Villa wohnen kann, kommt es nur zu kurzen und manchmal geheimen Treffen. Fox soll geheime Papiere über ein nicht-leitendes Kupfer wiederbeschaffen, die aus der Villa gestohlen wurden.

Mit großer Kombinationsgabe löst Fox den Fall. Dabei treiben ihn - wohl auch dem Zeitgeist entsprechend - nicht unbedingt Eile, sondern nur situationsbedingte Erfordernisse an.

Schön ist nicht gleich gut, lautet für den Detektiv mit Herz zum Schluß die Erkenntnis, die ihn kurzfristig aus der Balance bringt.

"In einer langen Nacht" ist ein lesenswerter Roman, der mit schönen Landschaftsinszenierungen aufwartet und dabei die Spannung in einer intelligenten Handlung nicht vermissen läßt.

Corinna S. Heyn

 

Horst Wolfram Geißler, In einer langen Nacht, Sanssouci 1998.