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Ein Spaziergang durch den Louvre
Über einen Reiseführer der anderen Art

Die Serie "DuMont visuell" umfaßt Reiseführer im handlichen Format und unzähligen Skizzen, Fotos, Bildern, Faltplänen und Kurzinformationen. Neben den Ländertiteln gibt ein einziger Band Aufschluß über die Geheimnisse und Schätze des Louvre.

Die Geschichte des Louvre geht weit in das Mittelalter zurück, als unter König Philippe August eine Festung vor den Toren von Paris errichtet wurde. Jahrzehnte später bildete der Louvre den Schauplatz eines grausamen Zwischenspiels politischer Wirren.

Am 27. August 1572, kurz nach der Hochzeit des Königs von Navarra mit der Tochter Katharina de Medicis, geschah das Massaker der Bartholomäusnacht. König Charles IX war für das Massaker an den Protestanten verantwortlich.

Die Religionskriege sorgten 1588 dafür, daß Henri III aus dem Louvre fliehen mußte. Dieser wurde zum Mittelpunkt der Katholischen Liga.

Gut zwei Jahrhunderte später wurde Louis XVI am 10. August 1792 vom Thron gestürzt. Die Monarchie wurde außer Kraft gesetzt, und die Königsfamilie in den Temple als Gefangene geworfen. Nur ein Jahr danach, am 10. August 1793, wurde im Louvre das Musée Central eingeweiht. Zu Ehren Napoléon Bonapartes nannte man es alsbald "Musée Napoléon".

Das Museum beherbergte vor allem Kriegsbeute der Revolutionsarmee und wurde zum Symbol napoleonischer Macht. 1810 heiratete Napoléon Marie-Louise von Österreich. Der prächtige Hochzeitszug durchquerte die Grande Galerie.

Nach dem Fall Napoléons wurde es im Louvre an Kunstschätzen ärmer. Denn viele der erbeuteten Kunstgegenstände gingen an die Mächte der Heiligen Allianz zurück. Doch 1826 baute der Ägyptologe Champillon das Ägyptische Museum auf und im Louvre öffneten nach und nach ein ethnographisches, ein amerikanisches und ein chinesisches Museum ihre Pforten.

1871 war Paris erneut krisengeschüttelt. Das Zweite Kaiserreich mußte sich Preußen gegenüber geschlagen geben. Die Monarchie sollte abgeschafft werden, doch die monarchistische Armee eroberte Paris zurück. Der blutige Kampf zwischen den Republikanern und den Königstreuen zollte seinen Tribut. Im Haß auf die Monarchie fielen die Tuilerien den Republikanern zum Opfer. 1882 brannten sie den Palast aus.

Während des Ersten Weltkrieges wurden die Schätze des Louvre schnellstens in Sicherheit gebracht. Auch als der Zweite Weltkrieg nahte, traten die Meisterwerke in Kisten verpackt ihre Reise an sichere Orte an und wurden auf mehrere Schlösser verteilt. 1940, als die deutschen Truppen anrückten, wurde Loc-Dieu bei Bordeaux und Montal vorübergehend die neue Heimat der Kunstschätze.

Der Louvre umfaßt heute eine bedeutende Graphik-Abteilung mit 126.000 Werken. Es finden sich vor allem Werke italienischer und französischer Schule sowie meisterhafte Gemälde aus der Renaissance wie von Leonardo da Vinic wieder.

In der Antikensammlung sind Kunststücke aus Mesopotamien, dem Iran, Ägypten, Griechenland, aus dem alten Rom sowie die weltberühmte Venus von Milo zu sehen. Sie wurde 1820 in Milo ausgegraben und ein Jahr später nach Paris gebracht.

Auch französisches Mobiliar aus der Epoche 1700 bis 1770, das vor der Brandschatzung aus dem Palais des Tuileries gerettet wurde, ist zu bewundern.

Bett und Nachttisch der Madame Récamier oder ihre Chaiselongue, auf der sie dem Maler Louis David um 1800 Modell gestanden hatte, sind vertreten. Ein reich verzierter Schreibtisch aus Stahl und Bronze von Marie-Antoinette aus dem Jahre 1784 ist ebenfalls erhalten geblieben.

Die europäische Malerei birgt Werke aus Frankreich, Italien, Nordeuropa, Spanien, England und Deutschland.

Bildnisse von Holbein oder Rembrandt sind ebenso zu bewundern wie die weltberühmte Mona Lisa von Leonardo da Vinci. Ein Kleinod ist das Kunstgewerbemuseum, das 1889 anläßlich der Weltausstellung gegründet wurde. Von mittelalterlichen Gegenständen bis hin zur Gegenwart ist hier alles chronologisch geordnet leicht ausfindig zu machen.

Der Eintritt in den Louvre kostet rund 40 FF (20 FF). Führungen werden auch unter bestimmten thematischen Gesichtspunkten angeboten. Eine Führung dauert ungefähr anderthalb Stunden.

Corinna S. Heyn

 

Louvre, DuMont Reiseführer visuell, Köln 1995, 391 Seiten. Preis: 48,- DM