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Hommage an große Künstler
"Die Blaue Vier" - eine Ausstellung

 1924 wurde die Künstlervereinigung "Die Blaue Vier" in Weimar gegründet. Die deutsch-amerikanische Kunsthändlerin und Sammlerin Galka Scheyer wollte die Kunstwerke von Lyonel Feininger, Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky und Paul Klee, die sie so verehrte, in Amerika bekannt machen. So entstand "Die Blaue Vier".

Scheyer pflegte regen Kontakt mit den Künstlern und beherbergt in einem eigens dafür erbauten Haus in Hollywood eine eigene Sammlung.

An der heutigen Ausstellung, zu der der großformatige Katalog "Die Blaue Vier" entstand, war mehrere Jahre gearbeitet worden. In diesem hochwertigen Buch wird das Geheimnis der passionierten Kunstförderin gelüftet. In Bildzeugnissen und Dokumenten erhellt sich das Bild der Galka Scheyer und ihrer Freundschaft zu vier der bedeutendsten Künstlern unseres Jahrhunderts.

Aber auch die Beziehung der vier Kunstmaler unter sich und deren "Bildertausch" wird ausführlich beschrieben, wenngleich über den Umfang des Austausches zwischen Jawlensky und Kandinsky wenig bekannt ist. Mehr erfährt der Leser über die Gegengaben von Jawlensky und Klee. Die beiden lernten sich im Herbst 1911 in München kennen. Jawlensky bewunderte Klees Werke, insbesondere die Aquarelle, die während dessen Tunisreise entstanden.

1914 erhielt Jawlensky von Paul Klee drei Aquarelle: "Das gelbe Haus", "St. Germain bei Tunis" und "Dorfstraße". Im Gegenzug verschenkte Jawlensky seinem Freund das Gemälde "Kreolin". Nicht nur Jawlensky war von dem Stil und dem Können Klees beeindruckt. Für Kandinsky war die Begegnung mit der Kunst Klees es der Beginn einer Wertschätzung, die sich ab 1913 in einem Bildertausch ausdrückte. Klee machte wohl den Anfang und "vermachte" ihm die Blätter "Wunderbarer Fischzug" und "Heilige Steine und Götterbilder".

Ein Bild von Kandinsky aus Klees Wohnung ("Ohne Titel") läßt auf ein Geschenk schließen. Auch durch die räumliche Nähe in Weimar und Dessau vertiefte sich die Freundschaft zwischen Feininger, Klee und Kandinsky. Die Probleme am Bauhaus in Weimar ließen sie sogar zu einer Art Interessengemeinschaft werden. Sie kämpften auch für freie Malklassen, die Klee ab Mai 1926 auch unterrichtete. In Gruppenausstellungen bekräftigten die drei ihre Geschlossenheit.

In dem Katalog werden sämtliche "Tausch-Konstellationen" unter den Künstlern der "Blaue Vier" analysiert und die Charaktere der Freunde offengelegt. Dieser Tausch zeigte die gegenseitige Wertschätzung in ihrer kostbarsten Form. Klee sticht dabei heraus, indem er die meisten Geschenke erhielt, aber auch die größte Anzahl an Bildern verschenkte.

Im Anschluß an die umfangreichen Abbildungen aus dem Schaffen der Künstler erläutert Stefan Frey die Bedeutung der "Blaue Vier", die im Gegensatz zum "Blauen Reiter" wenig Bekanntheit erlangte.

Der liebevoll gestaltete und schwergewichtige Katalog von immerhin 367 Seiten ist eine Hommage an herausragende Kunstschaffende unseres Jahrhunderts.

Corinna S. Heyn

 

Hrsg. von Vivian Endicott Barnett und Josef Helfenstein, Die Blaue Vier. DuMont 1997.

Der großformatige Katalog erscheint anläßlich der Ausstellung "Die Blaue Vier. Feininger, Jawlensky, Klee" im Kunstmuseum Bern, 5. Dezember 1997 - 1. März 1998 und in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, 28. März bis 28. Juni 1998.