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Deutsche Geschichte im Eiltempo
Karl-Joseph Hummel
"Deutsche Geschichte 1933 - 1945"

Die Geschichte des Dritten Reiches darf sich nicht wiederholen. Aus diesem Grunde wurde der hohe Stimmenanteil der DVU bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt in diesem Jahr von vielen mit Besorgnis aufgenommen. Aufklärung über die Verbrechen der Nazis scheint bitter notwendig. Im Olzog Verlag ist ein populärwissenschaftliches Buch erschienen, das das gesamte Dritte Reich im Schnelldurchlauf behandelt.

Von der Machtergreifung der NSDAP, über die Kirchen-, Rassen- und Kulturpolitik bis hin zu Blitzkriegen und Völkermord beschreibt der Historiker Karl-Joseph Hummel alle wichtigen Eckpunkte.

Der Autor hat sich ein schwieriges Unterfangen vorgenommen, das düsterste Kapitel der deutschen Geschichte vollständig wiederzugeben. Viele tiefgreifende Fragen oder Hintergründe können in dieser knappen Abhandlung allerdings nicht beantwortet werden. Und das ist schade. Auch ist nicht klar erkennbar, wo Hummel die Grenze zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaft zieht. Einerseits pflegt er einen nominalen Sprachstil und zitiert andere Autoren, andererseits kann aufgrund der Marginalität kein wissenschaftlicher Anspruch erhoben werden. Eher bedenklich ist die permanente Hervorhebung Hitlers als charismatische Figur, die vorbehaltlos von seinen Anhängern anerkannt wurde. Hummel beruft sich dabei auf den Soziologen Max Weber und seine Theorie der charismatischen Herrschaft und zitiert ihn falsch. Weber nennt zwar Hitler als Beispiel für seine Herrschaftstypen, doch handelt es sich bei Weber um sogenannte "Idealtypen". "Die Überzeugung von der Einmaligkeit und Genialität Hitlers machte es vielen Nationalsozialisten leicht, sich ihm unterzuordnen", schreibt der Autor und glorifiziert Hitler damit und an vielen anderen Stellen als eine herausragende Person. Das war Adolf Hitler ganz gewiß nicht. Vielmehr war er in der Lage, Gefolgsleute um sich zu scharen, die in seinem Sinne handelten. Dazu gehört auch - neben seinem Anspruch auf Weltherrschaft - der Antisemitismus. In dem Kapitel "Rassismus" vermengt Hummel allerdings Begriffe wie Rassismus gegenüber Sintis und Roma, die Euthanasie und den Antisemitismus. Weiter erklärt er, daß der Antisemitismus von den Nationalsozialisten "von Anfang an bejaht wurde." Damit wird nichts darüber ausgesagt, daß Hitler bereits 1907 in Wien erste Schritte zu seinem radikal geprägten Antisemitismus entwickelte und dieser Haß auf den jüdischen Marxismus als Todfeind des deutschen Volkstums die Triebfeder für sein politisches Handeln war.

In Hummels Buch wird der machtpolitische Aspekt der Judenvernichtung nicht berührt. Der Autor begnügt sich mit der stereotypen Wiederholung der "artfremden Rasse", die neben Homosexuellen oder Asozialen verfolgt wurde.

Trotz dieser Schwächen gibt das Buch einen schnellen Überblick über die Zeit zwischen 1933 und 1945, die jeder kennen sollte.

Corinna Heyn

 

Karl-Joseph Hummel, Deutsche Geschichte 1933-1945, 360 Seiten, geb. mit Abbildungen und Karten. Olzog Verlag 1998. Preis: 48,- DM.