| Frauenpower in einer Männerwelt | ||
| Lands End von Anne Schneider Männer haben in Anne Schneiders Roman "Lands End" wenig verloren. Falls sie überhaupt vorkommen, dann als Assistenten oder Verkäufer und einige von ihnen segnen bald das Zeitliche. Der Kriminalroman der Hamburger Autorin liest sich flüssig. Zwei parallel nebeneinander her laufende Handlungen bestimmen zwei Drittel des Buches, bis sie ineinander zerfließen. Natalie Chalmondeley ist ein hörbehindertes und äußerst schwieriges Kind. Mit ihren Launen wird ihre kalte Mutter nicht fertig. Einzig das Kindermädchen Primrose Huntington hat den Zugang zu dem eigensinnigen Mädchen gefunden. Auch ihren Hund Robby Toby, ein dreibeiniger Setter, der ihr einst das Leben gerettet hat, hat Natalie in ihr Herz geschlossen. Weit von England entfernt, in Hamburg, bekriegen sich in aktivem Mobbing zwei Kommissarinnen. Die kurz vor der Frühpensionierung stehende, füllige Hauptkommissarin Luise Hülshoff ist über ihre ehrgeizige, streng wirkende Nachfolgerin Alice von Klosterfeld-Eisenach wenig begeistert. Nicht zuletzt aufgrund ihrer Wiederaufnahme der Ermittlungen im Falle der Massenmörderin Anne Sander, die spurlos verschwunden ist. Ihre Spur führt jedoch nach England. Doch Luise Hülshoff reist ihrer Kollegin Alice von Klosterfeld-Eisenach samt Assistent nach. Bald schon trifft Alice von Klosterfeld-Eisenach die Geliebte Anne Sanders, die attraktive Galeristin Claire Bouchet. Erst im letzten Drittel des Krimis lüftet sich das Dunkel im dicht gewebten Beziehungsgeflecht der Story. Der Plot ist sehr überraschend, wenngleich einige Fragen offen bleiben. Weshalb deckt die Hauptkommissarin Luise Hülshoff die Massenmörderin Anne Sander? Weshalb ist Natalie Chalmondeley so verstört? Wer ermordete ihren Vater? Wie können zwei Seelen in einer Brust der Frauenmörderin Anne Sander wohnen? Und was sind ihre Mordmotive? Leider muß sich der Leser mit seiner eigenen Phantasie begnügen. Wären diese offenen Fragen beantwortet, wäre dieser Krimi durch und durch gelungen. Die Autorin schafft das schwierige Unterfangen, mit den Augen eines fünfjährigen Kindes die Welt zu sehen. Und sie kann noch etwas: Spannung erzeugen, die fast schon unerträglich ist. Corinna S. Heyn
Anne Schneider, Lands End, Rasch und Röhring Verlag, 180 Seiten, 1998. Preis: 34 DM. |
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