| Jenseits von Eden | ||
| "Der Strand" von Alex Garland - ein
großartiges Debut "Der Strand" ist ein beeindruckendes Erstlingswerk des jungen Engländers Alex Garland. Der 1970 geborene Autor lebt in London. Wie einst Donna Tartt mit ihrem Roman "Die geheime Geschichte", so gelingt es auch Garland den Leser in einen Sog der atemberaubenden Spannung zu ziehen. Der Ich-Erzähler Richard gerät über den Tipp eines drogensüchtigen Rucksacktouristen auf die Spur eines geheimnisumwitterten, einsamen Strandes auf einer thailändischen Insel. Richard mutiert schnell vom ersten Schritt auf dieser Insel vom ängstlichen Jungen zu einem Kamikaze-Typen mit Killerinstinkt. Richard sucht die Gefahr und meistert sie mit viel Glück und Geschick souverän. Das Strandleben in der bereits bestehenden Aussteigertruppe beginnt. Einerseits wird jegliche Erinnerung an die Zivilisation ausgeblendet, auf der anderen Seite herrschen starre Regeln des Zusammenlebens in der Kommune. Das Gesetz Darwins gewinnt an Gültigkeit. Und jeder, der sich der bestehenden Ordnung widersetzt, begibt sich unweigerlich in Lebensgefahr. Die Idylle am Strand gestaltet sich bald als eine strenge Prüfung für jeden Einzelnen. Konflikte werden heraufbeschworen und mit harten Mitteln bekämpft. Das Buch ist ein Lehrstück in Sache menschlichem und eingebürgertem Moralkodex, der immer wieder auf die Probe gestellt wird. Der Tod verliert seinen Schrecken, selbst Morde erhalten zugunsten der Erhaltung einer höheren Ordnung neue Gültigkeit. Die straffe Organisation des geheimen Strandlebens der bunt gemischten Truppe verschiedenster Nationalitäten erhebt sich über gesellschaftliche Werte. Zur Not müssen auch - menschliche - Opfer gebracht werden. Garland erzählt mit einer beispiellosen Beiläufigkeit, was den Horror von Überleben und Sterben noch verstärkt. Das Bild vom einsamen Palmenstrand, seltenen Vögeln und dem sanften Rauschen des Meeres als Garten Eden relativiert der Autor mit seinen Schreckensvisionen und Abenteuern als "Richard". Spätestens zum Ende des Buches hin wird klar, daß auch der Reiz des Verbotenen das jähe Ende bedeuten kann. Und das Paradies eher der Hölle auf Erden ähnelt. Ein faszinierender Roman und eine Lebensschule in einem. Corinna S. Heyn
Alex Garland, Der Strand, Goldmann 1997. |
||