| Von Duftwolken und edlen Wässerchen |
||
| Wie Mode und Parfümwelt miteinander
verknüpft sind Wir sind tagtäglich von vielen verschiedenen Gerüchen umgeben. Sie beeinflussen unsere Psyche bewußt oder unbewußt. "Den kann ich nicht riechen" ist nicht nur ein Spruch, der an die Urinstinkte erinnert. Es ist tatsächlich etwas Wahres daran - die Partnerwahl lehrt uns das jeden Tag. Wir werden von unserem Geruchssinn zum richtigen Pendant geleitet. Um uns attraktiv für das andere Geschlecht zu machen, helfen wir der Natur mit edlen Duftwässerchen oft ein wenig nach. Dabei sind die Geschmäcker und die Temperamente verschieden. Der eine liebt es holzig-würzig, der andere schwört auf blumige Noten. Bis die duftende Kreation den Weg in einen kunstvollen Flakon findet, bedarf es aufwendiger Vorarbeiten. Die Idee für ein Parfüm entsteht im Kopf, im Geist des Erfinders. Der Parfümeur notiert die Rezeptur und eine lange Suche nach der vollkommenen Mischung beginnt. Die Rohstoffe sind vielfältig und müssen gut sein. Eine schlechte Rosenlese zum Beispiel verspricht kein gutes Produkt. Die Rose ist seit über dreitausend Jahren die liebste Essenz der Parfümeure. Auch die warme, blumige und würzig-fruchtartige Note des Jasmin begeisterte die Meister. Von Bedeutung waren auch die Tuberose, Narzisse, Mimose, Orangenblüte, der Lavendel und Ylang-Ylang. Der Parfümeur ist ein Künstler, der sein Werk oft als unvollendet betrachtet und nicht aufhören kann, es zu verbessern. Nur die großen Häuser wie Chanel, Guerlain und Jean Patou haben feste Parfümeure engagiert. Guerlain und Lancome haben sich ausschließlich der Kunst der Parfümerie verschrieben, was eine Seltenheit ist. Ansonsten gilt, daß die bekannten Parfums grundsätzlich aus Modehäusern, von Juwelieren, Sattlern oder Lederwarenfabrikanten stammen. 1921 brachte keine geringere als Modeschöpferin Coco Chanel den legendären Duft "Chanel No 5" als gewinnbringende Verknüpfung von Mode - ihrem Namen - und dem der Düfte auf den Markt. Christian Dior krönte 1947 die Eröffnung seines Salons gleichzeitig mit der Einführung von "Miss Dior". Ebenso großen Erfolg hatte Robert Ricci, der Sohn von "Nina" Ricci (eigentlich: Marie Adélaide), der Gründerin des gleichnamigen Haute-Couture-Hauses, 1946 mit seiner Kreation namens "Coeur Joie" und dem Klassiker "Lair du temps" (1948). Marcel Rochas, der 1920 einen Modesalon eröffnete, setzte ab 1936 auf die Entwicklung von Düften wie seine prominenten Konkurrenten. "Man muß eine Frau riechen, bevor man sie überhaupt gesehen hat", war ein immer wiederkehrender Ausspruch. Rochas wurde bereits 1952 mit seiner "Société des parfums Marcel Rochas" in Asnières so erfolgreich, daß er die Mode zugunsten der Parfümerie aufgab. Nach seinem Tod zwei Jahre später, übernahm Hélène Rochas seine Nachfolge und begann 1960 die Vermarktung von "Madame Rochas". Guy Robert hatte diesen Cocktail aus Rose, Jasmin und Tuberose geschaffen. Da Hélène Rochas eine Schwäche für weiße Blüten hegte, wurde eine Janusette aus Baccaratkristall aus dem 18. Jahrhundert für den Flakon nachgebildet. Heute sind unter Sammlern nur noch die Glasflakons von Wert, die industriell gefertigten Kunststofffläschchen können mit den gläsernen Konkurrenten, die auf Auktionen astronomische Preise erzielen, nicht mithalten. Corinna S. Heyn
Fabienne Pavia, Die Welt des Parfüms, Fotos von Matthieu Prier, Neff/VPM Verlagsunion Pabel Moewig 1996. |
||