invisi.gif (43 Byte)
Auf der ganzen Welt zuhause

Über die Boombranche Tourismus

Die Reiselust der Deutschen ist auch in Zeiten der hohen Arbeitslosigkeit ungebrochen. Große und kleine Anbieter überbieten sich gegenseitig mit Dumping-Preisen, und der Konsument findet sich oft weder im Dschungel der vielen Angebote noch am fremden Urlaubsort zurecht. Wäre da nicht eine Schar ausgebildeter Fachkräfte, die den Reisewilligen von Anfang bis Ende betreut - wenn er will. Genau hier setzt Regina Müller mit ihrem Band "Berufe mit Zukunft. Boombranche Tourismus. Einstieg, Praxis, Chancen" (Eichborn) an. Chronologisch beginnt sie mit einer kleinen geschichtlichen Einführung über die Kultur des Reisens an sich und setzt sich auch kritisch mit dem Massentourismus auseinander. Wer bisher lediglich an eine Lehre in einem Reisebüro gedacht hat, um zum Beispiel als Reiseverkehrskauffrau/mann zu werden, der wird sich über die vielen anderen Möglichkeiten freuen, die außer diesem klassischen Berufsziel und der dazugehörigen Lehre vorhanden sind.

Ausführlich listet die Autorin Berufsfachschulen und Fernstudieneinrichtungen auf, um als staatlich geprüfte Wirtschaftsassistentin/Assistent, als Internationale Touristikassistentin/Assistent, Touristikfachkraft oder -referentin oder sogar im Touristikmanagement Fuß zu fassen. Der Haken bei den Fernstudien liegt weniger in den Teilnahmevoraussetzungen als in dem notwendigen Studiengeld, das vorhanden sein sollte. Über neun bis sechzehn Monate dauert die Ausbildung, die von knapp zweitausend bis knapp viereinhalbtausend Mark kosten kann. Alternativ bieten sich Berufsakademien an. In Berlin, Ravensburg und Breitenbrunn übernimmt das jeweilige Bundesland die Kosten. Eine tarifliche Ausbildungsvergütung wird ebenfalls gewährt. Die staatlich anerkannte Berufsakademie Lübeck verlangt ein Schulgeld in Höhe von 270 Mark pro Monat. Wer sich für eine Fachhochschule oder Hochschule entscheidet, wählt unter neunzehn Ausbildungsstätten in Deutschland und schlägt hier seine Karriere für das mittlere und Topmanagement ein.

Und wem diese Auswahl noch immer nicht reicht, dem gibt Regina Müller eine ausführliche Übersicht mit Adressen über Institute der IHK (Industrie- und Handelskammer), von Fachschulen und Tipps, wie man als Quereinsteiger den Sprung in seinen Traumberuf auch schafft.

Ungewöhnlich an den abschließenden Berufsbeschreibungen in diesem Band ist, daß sich die Autorin die Mühe gemacht hat, mit Betreffenden aus dem weiten Feld Tourismus zu sprechen. Es kommen unter anderem folgende Branchenkenner zu Wort: eine Lufthansa-Stewardess aus Berlin, eine Copilotin des Airbus 320 aus Frankfurt, eine General-Managerin des "May Fair" in London, ein Modedesign-Student, der als Kellner in Hamburg arbeitet, eine Reiseleiterin und Gästeführerin aus Hamburg und viele andere, die ihre positiven und negativen Erfahrungen preisgeben. Eine originelle Idee, um zu mehr als "nur" einer Stellenbeschreibung zu kommen.

Einzig Möglichkeiten im Ausland als Au-Pair, an einem wissenschaftlichen Projekt, in Disney-World als Kellner oder an einem Sprachaufenthalt teilzunehmen, werden nicht aufgegriffen. Der Animateur-Job kommt lediglich am Beispiel des Clubs Med zur Sprache. Ansonsten ein gut recherchierter, brauchbarer Ratgeber mit vielen Tipps und Adressen.

 

Corinna S. Heyn M.A.

 

Regina Müller, Berufe mit Zukunft. Boombranche Tourismus. Einstieg, Praxis, Chancen. Eichborn Verlag, 1996.