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Verhaltenscodex beim Vorstellungsgespräch
Ein Ratgeber aus dem Compact Verlag hilft weiter

Vorstellungsgespräche laufen in der Regel nach bestimmten Mustern ab. Um diesen zu entsprechen und einen guten Eindruck zu hinterlassen, ist ein gute Vorbereitung unerläßlich. Clemens Bossong gibt in dem Ratgeber "Das erfolgreiche Vorstellungsgespräch" Einblicke in Standardfragen, die den Bewerber erwarten können. Exzellent sind die Hinweise auf Auskunftstellen, über die ausreichend Informationen über das Unternehmen wie "Firmensitze, Niederlassungen, Zweigstellen, Firmenstruktur...Marktanteil, Wachstum der letzten Jahre" angefordert werden können. Als Informanden nennt der Autor Presseabteilungen, die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände, Recherchierdienste von Tageszeitungen oder Geschäftsberichte einzusehen. Nützlich sind die Angaben von Adressen und Telefon- beziehungsweise Faxnummern einzelner Stellen sowie die weiterführende Literaturhinweise von Wirtschaftsadressbüchern wie z.B. Adress Directory. Wirtschafts-Nachschlagewerk von Heinrich Sadler, Das große Branchenbuch. Produzierendes Gewerbe von Wolfgang Zollner oder Liefern & Leisten. Das große Fernseprechbuch. Industrie, Groß- und Außenhandel.

Etwas irritierend mutet das anschließende Kapitel "Telefonische Vorabinformation" an. Hier geht es irreführenderweise um Telefonmarketing in eigener Sache als Alternative zur schriftlichen Bewerbung und hat nur im entfernten Sinne etwas mit einem Vorstellungsgespräch zu tun.

Gelungen sind die Tips zum Outfit, dem Bossong große Bedeutung beimißt, was er auch sofort statistisch belegt. Er folgert: "Wer gut aussieht, der verkauft sich besser! Wir Menschen nehmen 83 Prozent mit den Augen auf, nur elf Prozent mit den Ohren. Bei einem Redner beispielsweise hängen nur acht Prozent des Erfolges vom Inhalt ab, 50 Prozent von der Art des Vortrags und sage und schreibe 42 Prozent vom Aussehen des Referenten."

Es gibt klare Regeln, die unbedingt beachtet werden sollten. Wenig sinnvoll ist es, sich in teurer Designerkleidung zu zeigen, die man sich im Grunde nicht leisten kann, und später in Jeans und Pulli aufzutreten. Ein positives Image zeigt der Kandidat in dem Outfit, in dem er sich wohlfühlt. Wer ein Hosentyp ist und sich zwangsweise in ein Kostüm zwängt, wird sich unwohl fühlen und das auch zum Ausdruck bringen. Übertreibungen jeder Art, sei es durch zuviel Schmuck, Parfum, Make-up, grell lackierte Fingernägel, sind zu vermeiden. Für Herren und Damen, die in der Versicherungsbranche arbeiten (wollen), gilt als Grundfarbe der Garderobe Blau oder Grau. Gewaschene Haare und saubere Fingernägel sind ein Muß.

Für Herren gilt, im Anzug oder alternativ in Jacke, Hose und Krawatte (keine Fliege) zu erscheinen. Da kein Kleidungsstück mehr beachtet wird, als die Schuhe, sollten sie relativ neu, frisch geputzt und dunkler als der Anzug sein. Der elegante Mann zeigt Schlichtheit durch eine Aktenmappe und nicht durch einen Akten- oder Pilotenkoffer oder Rucksack. Ebenso unangebracht sind Ohrringe oder ein Dreitagebart. Die Damen sollten - selbst wenn es schwerfällt - auch im Sommer Strümpfe tragen. Ein dezentes Make-up empfiehlt sich, aber mit Rouge und Lidschatten ist besser sparsam umzugehen. Verpönt sind zu große Ohrringe, schwarzer, lilafarbener oder violetter Nagellack und wild gemusterte Strumpfhosen.

Das Gespräch kann nach einem bestimmten Muster ablaufen mit Fragen zur persönlichen Situation des Bewerbers, der Besprechung des Ausbildungsgangs, Fragen zur beruflichen Entwicklung, der Information über das Unternehmen und Fragen des Kandidaten. Bossong rät, unbedingt Rückfragen zu stellen. Ein Schweigen könnte als Desinteresse ausgelegt werden.

Wer viel über die Abläufe und Inhalte von Vorstellungsgesprächen weiß, nimmt sich selbst die Angst vor dem Ungewissen. Das Auftreten wird souveräner und lockerer, und eine entspannte Atmosphäre wiederum kann sich positiv auf die Entscheidung der Personalchefs auswirken. Neben der angesprochenen standardisierten Form der Befragung können auch schwierigere Fragestellungen auf den Bewerber zukommen. So kann der potentielle Arbeitgeber sich nach der beruflichen Perspektive, der Einstellung zum letzten Job oder einer Überqualifikation erkundigen. Nützlich und hilfreich umschreibt Bossong im Kapitel "Das optimale Verhalten" einen Benimmkodex, der ebenso wichtig wie Outfit oder fachliche Qualifikation sein kann. Hier dringt der Autor in die Psychologie und die nonverbale Kommunikation ein. Der Bewerber setzt sich erst, wenn alle anderen bereits Platz genommen haben, er äußerst keine extravaganten Getränkewünsche und raucht besser nicht. Die Körpersprache verrät viel. Es ist also gut, wenn sie kontrolliert wird. Beim Sitzen sollten die Beine nicht zu breitbeinig gespreizt und der Rücken gerade gehalten werden. Es ist besser die Arme auf die Stuhllehne zu legen, statt sie zu verschränken. Diese Haltung wird häufig als Abwehrhaltung oder als Unsicherheit interpretiert. Gefühle dürfen gezeigt werden, auch in Gesten, weil das menschlicher wirkt als eine steinerne Maske.

Als Zusatzservice geht Bossong neben den Eigenheiten eines deutschen Vorstellungsgespräches auch auf die Bsonderheiten in Italien, Spanien, Frankreich und den USA ein. Für die USA gelten Regeln wie: "Vorsicht beim Händeschütteln, small talk, keine sichtbare Bein- oder Brusthaare, möglichst kein Bart" oder "von sich aus über Privates sprechen, da Fragen hiernach rechtlich nicht zulässig sind." Informativ ist auch die Beschäftigung des Autors mit der Ausgangsposition, in der sich so mancher Bewerber befindet. Diese ist nicht immer rosig. Persönliche Schicksalsschläge oder vorausgehende Absagen führen zu einem Tief, das erst überwunden werden sollte. In einer Phase von Depression oder Aggression sollte sich der Betreffende nicht bewerben.

Das Buch ist ein Ratgeber für alle Stellensuchenden, vor allem aber für Berufseinsteiger, die noch keine Erfahrung im Umgang mit Vorstellungsterminen gesammelt haben. Sehr ausführlich finden sich im Anhang umfassende Literaturhinweise, Software-Tipps, Hinweise zu Testtrainings, Gehaltseinstufungen und Anlaufstellen.

Corinna S. Heyn

 

Clemens Bossong, Das erfolgreiche Vorstellungsgespräch, Compact Verlag 1998, Compact Ratgeber "Karriere und Beruf", 128 Seiten, Broschur. Preis: 19,80 DM.